Burnout-Spirale – schon 44% Betroffene

Burnout – Ein Zustand von emotionaler Erschöpfung, dem Gefühl von Überforderung, reduzierter Leistungszufriedenheit und je nach Stadium auch Depressionen.

Immer mehr Menschen befinden sich in der Burnout-Falle!

Das Burnout-Syndrom zeichnet sich durch einen phasenhaften Verlauf aus. Beginnend mit

  • einem Problemstadium,
  • über ein Übergangsstadium,
  • bis hin zum Erkrankungsstadium.

Es verläuft in unterschiedlichen Schweregraden und sind daher zur Behandlung auch unterschiedliche Maßnahmen zu setzen.

Zur Erhebung des Burnout-Syndroms wurde extra das Burnout-Dimensionen-Inventar (BODI) entwickelt, welches aus 4 Skalen besteht und eine genaue Zuordnung zu den vorab beschriebenen Stadien ermöglicht.


Burnout-Dimensionen-Inventar (BODI)

1. Skala = Reduzierte Belastbarkeit, Wiederstand und Überforderung:

Den Betroffenen fällt es zunehmend schwerer, ihr Arbeitspensum zu bewältigen und sie reagieren mit der Bündelung der eigenen Ressourcen auf den Arbeitsprozess bei gleichzeitiger Vernachlässigung anderer außerberuflicher Tätigkeiten. Zudem wächst der Widerwillen bezüglich der beruflichen Tätigkeit zunehmend an.

2. Skala = Mangelnde Distanzierungsfähigkeit, Auflösung der Grenze zwischen Arbeit, Freizeit und Familie:

Berufliche Agenden werden zunehmend mit nach Hause genommen. Betroffene haben ein Problem abzuschalten und kommunizieren regelmäßig mit Kollegen und Kolleginnen oder Vorgesetzten in der Freizeit wegen beruflicher Angelegenheiten.

3. Skala = Depression:

Entwicklung erster Anzeichen einer depressiven Verstimmung mit Symptomen der Niedergeschlagenheit, Energie- und Schlaflosigkeit sowie sozialem Rückzug.

4. Skala = Dysfunktionale Kompensation

Betroffene versuchen, durch noch mehr Engagement dem drohenden “Scheitern” entgegenzuwirken bzw. sich zB mit Alkohol zu entspannen.


Was fördert Burnout?

Dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, welche sowohl beruflicher, als auch individueller Natur sein können. Jedoch greifen diese Risikofaktoren immer wieder ineinander. Nachstehend einige Beispiele:

Berufliche Ursachen:

  • Arbeitszeit
    (Eine Wochenarbeitszeit über 40 Stunden sowie eine stark wechselnde Arbeitszeitstruktur kann sich stark negativ auswirken.)
  • Zeitdruck
  • Multitasking
  • Fehlende Zielvorgaben und Erfolgskriterien
  • Schlechtes Arbeitsklima
  • Zu viele verschiedene Erwartungen
    (Vorgesetze erwarten etwas anderes als Kolleginnen und Klientinnen haben noch einmal andere Anforderungen, was zu Überforderung führen kann.)
  • KlientInnenkontakt und KlientInnenzahl
  • Geringe Entfaltungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume
  • Nacht- und Schichtdienste

Individuelle Ursachen:

  • Überengagement und Perfektionismus
  • Mangelnde Distanzierungsfähigkeit
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • Hoher Leistungsdruck in der Familie
  • Mangelnde Stressbewältigungsmechanismen
  • Schlechtes Zeitmanagement
  • Ängstlichkeit/Sensibilität
    (Sich einer Situation nicht gewachsen fühlen)

Studie 2016/17

Die Erhebung aus dem Jahr 2016/17 zum Burnout-Syndrom hat folgendes Ergebnis gebracht:

  • 19% der Befragten befinden sich im Problemstadium,
  • 17% im Übergangsstadium und
  • 8% bereits im Burnout-Erkrankungsstadium.

Geschlechtsunterschiede konnten in der vorliegenden Studie nicht wahrgenommen werden.

Für die Prävention und die Planung von Behandlungsmaßnahmen ist es äußerst wichtig, die gefährdeten Altersgruppen zu identifizieren:

Ein hoher Anteil an Personen im Burnout-Erkrankungsstadium finden sich in der Gruppe der unter 30-Jährigen, welcher mit zunehmendem Alter wieder geringer wird. Einen weiteren Höhepunkt finden wir ab dem 50. Lebensjahr. Erst ab 59 Jahren sinkt das Erkrankungsrisiko wieder.

Aus Anlass der Ergebnisse warnt BM Alois Stöger vor einem generellen 12-Stunden-Tag. Die Studie zeigt in dramatischer Folge auf, dass Flexibilität und Arbeitszeiten ihre Grenzen haben, nämlich spätestens da, “wo sie Menschen krank machen”.


Maßnahmen:

Man unterscheidet institutionelle und individuumszentrierte Maßnahmen, jedoch erscheint eine Trennung, aufgrund Überschneidung in manchen Themenbereichen, nur bedingt sinnvoll.

Institutionelle Maßnahmen:

  • Verringerung von Lärm, Schmutzbelastung, extremer Temperaturexposition und eine adäquate Beleuchtungssituation am Arbeitsplatz
  • Ausbau gesundheitsbezogener Maßnahmen bzw. Projekte am Arbeitsplatz
  • Einsatz des BODI als Früherkennungs-Instrument
  • Reduktion häufig wechselnder Arbeitszeiten
  • Wochenarbeitszeiten von mehr als 40 Stunden nur kurzfristig
  • Ausreichend Regenerationsphasen einplanen
  • Angebot der Supervision bzw. Teambetreuung
  • Rückzugsmöglichkeiten zur Schaffung von Privatsphäre
  • Schulung von Führungskräften hinsichtlich eines wertschätzenden Führungsstils

Individuumszentrierte Maßnahmen:

  • Abgrenzung von Arbeit und Freizeit
  • Schulung im Selbstmanagement und -motivation
  • Schulung betreffend Zeitmanagement
  • Erlernen von Problem- und Konfliktlösungsstrategien
  • Vermittlung von Maßnahmen zur Distanzierungsfähigkeit
  • Behandlung des beginnenden Burnout-Syndroms

Genaueres kannst Du in nachstehenden Dokumenten nachlesen:

Studie des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK)
Langfassung
Zusammenfassung

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