So machst Du die ArbeitnehmerInnenveranlagung

Zwei Drittel der Steuerlast wird von ArbeitgeberInnen bzw. PensionistInnen getragen.

Aber mit der ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) hast Du die Möglichkeit, Dir einen Teil der Lohnsteuern wieder zurückzuholen.

Hierfür stehen zwei Varianten zur Verfügung:

Entweder kannst Du Deine Unterlagen persönlich beim Finanzamt einreichen, oder Du nutzt Finanz-Online.


Für die Einreichung der ANV direkt bei Deinem zuständigen Finanzamt benötigst Du folgende Dokumente:

  • Formular L1 und zusätzlich,
  • Formular L1k, sofern Du Kinder hast, für die Du Familienbeihilfe beziehst oder Unterhalt zahlst;
  • Formular L1ab, sofern Du außergewöhnliche Belastungen (zB Krankheitskosten, etc.) geltend machen willst;
  • Formular L1i, wenn Du außerdem Einkünfte ohne inländischen Lohnsteuerabzug (zB ausländische Pension, etc.) beziehst.

Die Formulare erhältst Du bei jedem Finanzamt bzw. können diese über die Homepage des Finanzministeriums bestellt werden und bekommst Du diese per Post zugesandt.


Finanz-Online

Was benötigst Du?

  • Computer
  • Internetanschluss
  • Zugangserkennung zu Finanz-Online oder eine Bürgerkarte inkl. Kartenlesegerät und kostenloser Software (auf E-Card, Bankomatkarte entsprechend aktiviertes Mobiltelefon)

Vorteile durch die Online-Veranlagung:

  • Wegfall des Amtsweges
  • Die Online-Veranlagung ist kostenlos und kann 24h-täglich genutzt werden.
  • Berechnung der voraussichtlichen Steuergutschrift bzw. -nachzahlung (außer bei Bezug von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe)
  • aktuelle Abfrage des Steuerkontos
  • elektronische Änderung Deiner persönlichen Daten
  • elektronischer Rückzahlungsantrag, Änderung der Vorauszahlung, Beschwerde, Ratenvereinbarung

Bei Nutzung des Finanz-Online-Zugangs erhältst Du alle Bescheide vom Finanzamt nur noch elektronisch! Diese werden in Deiner Finanz-Online-Databox hinterlegt und gelten mit dem Zeitpunkt der Hinterlegung als zugestellt. Wenn Du dies nicht möchtest, kannst Du auch auf die Online-Zustellung verzichten und bekommst dann die Bescheide wieder mittels Post übermittelt.


Pflichtveranlagung

Bei der ANV unterscheidet man zwischen Pflicht- und Antragsveranlagung. Es gibt Voraussetzungen unter welchen Du verpflichtet bist eine ANV bis zum 30. April des Folgejahres beim Finanzamt abzugeben (tätigst Du Deine ANV über Finanz-Online, muss die ANV bis zum 30. Juni des Folgejahres abgegeben werden):

  • Bei Einkünften, aus nichtselbständiger Arbeit, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterliegen (zB Grenzgänger) und EUR 730,–/Jahr nicht überschreiten.
  • Bei Berücksichtigung einer zu hohen Pendlerpauschale bzw. Pendlereuro oder wenn die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen.
  • Bei zu Unrecht bzw. in unrichtiger Höhe ausbezahltem Zuschuss zur Kinderbetreuung.
  • Bei Auszahlung von Bezügen eines österreichischen Abgeordneten zum Europäischen Parlament.
  • Bei vorsätzlicher Verkürzung der abzuführenden Lohnsteuer durch den Arbeitnehmer, gemeinsam mit dem Arbeitgeber.

Unter nachstehenden Voraussetzungen hast Du zur Abgabe der ANV bis zum 30. September des Folgejahres Zeit:

  • Wenn Du im Kalenderjahr zumindest zeitweise zwei oder mehrere lohnsteuerpflichtige Einkünfte gleichzeitig hast.
  • Wenn Der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag oder die Pendlerpauschale berücksichtigt wurde, jedoch die Voraussetzungen dafür nicht vorlagen.

In folgenden Fälle kann Dich das Finanzamt zur Abgabe der ANV auffordern:

Bei Bezug

  • von Krankengeld aus der gesetzlichen Sozialversicherung,
  • für Truppenübungen,
  • vom Insolvenz-Entgelt-Fond,
  • bestimmter Bezügen aus der Bauarbeiterurlaubskasse und
  • für einen Dienstleistungsscheck.

Bei Rückzahlungen

  • von Pflichtversicherungsbeiträgen oder
  • Pensionsbeiträgen.

Aber zur Aufforderung der Abgabe der ANV kann es auch kommen, wenn ein Freibetragsbescheid für das Kalenderjahr bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde.


Wie lange hast Du Zeit, um eine ANV durchzuführen?

Für die ANV hast Du 5 Jahre Zeit!

Unter folgenden Voraussetzungen ist es sinnvoll eine ANV durchzuführen:

Wenn Du

  • Alleinverdiener/-erzieher bist und den Absetzbetrag nicht in Deiner Firma beantragt hast;
  • den Mehrkindzuschlag beantragen kannst;
  • für ein oder mehrere Kinder Anspruch auf Familienbeihilfe hast;
  • gesetzlichen Unterhalt zahlst;
  • Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen kannst;
  • von Deinem Gehalt Sozialversicherung, jedoch keine Lohnsteuer abgezogen bekommst (=Negativsteuer!);
  • schwankende Bezuge/Verdienstunterbrechungen während eines Jahres hast (zB Ferialpraktikum, unterjähriger Wiedereinstieg nach der Karenz, etc.).

Negativsteuer

Wenn von Deinem Gehalt/Pension zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer abgezogen wurde, kannst Du mittels ANV eine Negativsteuer erhalten.

Diese errechnet sich mit einem bestimmten Prozentsatz anhand der Sozialversicherungsbeiträge. Wenn Du auch noch zumindest ein Monat Anspruch auf eine Pendlerpauschale hast, erhöht sich die Negativsteuer.

Hier findest Du eine Tabelle zur Negativsteuer. >>>


Wann musst Du eine Einkommenssteuererklärung (ESt-E) abgeben?

  • Wenn Du aus einer selbständigen Tätigkeit, oder aus einem Betrieb ein Einkommen über EUR 11.000,– hast.
  • Wenn Du sowohl selbständiges (über EUR 730,–), als auch nicht selbständiges Einkommen hast und das Gesamteinkommen höher als EUR 12.000,– ist.
  • Bei Kapitaleinkünften über EUR 22,–, die keinem Kapitalertragssteuerabzug unterliegen.
  • Wenn Einkünfte aus einem privaten Grundstücksverkauf vorliegen, für die keine Immobilienertragssteuer entrichtet wurde.
  • Oder, wenn Dich das Finanzamt dazu auffordert!

Steuervorauszahlungen

Hast Du mehrere lohn-/einkommenssteuerpflichtige Einkünfte in einem Jahr und beträgt die Vorauszahlung mehr als EUR 300,–, dann werden vom Finanzamt Steuervorauszahlungen vorgeschrieben.

Die Höhe dieser Vorauszahlungen findest Du im Vorauszahlungsbescheid!

Diese Vorauszahlung ist vierteljährlich zu leisten. Ist die Vorauszahlung zu hoch, da Du in einem Jahr weniger verdient hast, kannst Du Beschwerde gegen die Vorauszahlung einlegen.

WICHTIG!
Ist die Frist abgelaufen, kannst Du bis zum 30. September des Kalenderjahres einen formlosen Antrag auf Herabsetzung der Zahlung stellen!

Hier ein Musterbrief! >>>

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