Kollektivvertrag und Betriebsvereinbarung 2014: die Ergebnisse

Weil die DienstgeberInnen es heuer ablehnten, in einer Globalrunde gemeinsam mit der Diakonie und der Sozialwirtschaft Österreich (vulgo BAGS) zu verhandeln, saßen sich die VertreterInnen der Caritas DienstnehmerInnen und DienstgeberInnen am 17. Dezember im Bon Bosco Haus allein gegenüber. Und trennten sich noch am selben Tag mit einem Ergebnis in der Hand.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Die Gehälter wurden ab 1.1.2014 um 2,45 % erhöht. Die Zuschläge sowie die Abgeltung für Rufbereitschaft werden ebenfalls um 2,45 % erhöht, jedoch erst ab 1.7.2014. Im Vergleich zum BAGS-KV (2,5 %) hinkt dieses Ergebnis leicht nach. Dass unsere Abschluss aber bereits ab Jänner gilt (BAGS ab Februar), ist andererseits ein Vorteil gegenüber dem BAGS-Abschluss.

Daneben wurde auch über inhaltliche Fragen verhandelt. Dabei gab es Ergebnisse zu folgenden Themen (wobei in der Folge Ergebnisse der KV- und der BV-Verhandlungen wegen der besseren Übersichtlichkeit und Verständlichkeit gemeinsam dargestellt werden):

  • Anrechnung von Karenzzeiten
  • Regelung zu drittem Karenzjahr
  • Papamonat in Form eines Minisabbaticals
  • verbesserte Anrechnung von Vordienstzeiten für die 6. Urlaubswoche
  • Abgeltung von Zeitguthaben am Ende des Dienstverhältnisses
  • Regelungen zur Pflegekarenz- und Pflegeteilzeit
  • Erhöhung der Zeitgutschrift für Zuschläge bei geringfügig Beschäftigten
  • Gleitzeitvereinbarung
  • Zeitwertkonto

Doch der Reihe nach:

Anrechnung von Karenzzeiten

Mit diesem Punkt konnte eine wichtige und langjährige Forderung der BetriebsrätInnen und der Gewerkschaft durchgesetzt werden. Elternkarenzzeiten, die nach dem 1.1.2014 liegen, werden in vollem Umfang für Vorrückungen angerechnet. Bereits seit 1.1.2012 werden 12 Monate Elternkarenz für die Vorrückung angerechnet. Gerade in einem Bereich, in dem überwiegend Frauen arbeiten, ist das ein wichtiger Fortschritt.

Ab 1.1.2014 ebenfalls voll angerechnet werden Zeiten der Hospizkarenz und Zeiten der Pflegekarenz.

Drittes Karenzjahr

Diese Verbesserung ist für Wien nicht so bedeutend, da wir in der Betriebsvereinbarung schon lange die Möglichkeiten des dritten Karenzjahres haben. Auf Wiener Ebene wurde konkretisiert, dass DienstnehmerInnen den Wunsch nach einer Verlängerung der gesetzlichen Karenz bis drei Monate vor deren Ende schriftlich bekannt geben müssen, ebenso wie die Dauer der Verlängerung. Außerdem wurde festgehalten, dass MitarbeiterInnen nach einer verlängerten Karenz den gleichen arbeitsrechtlichen Kündigungsschutz haben, wie im Falle der gesetzlichen Karenz (4 Wochen).

Zeiten des dritten Karenzjahres werden für die Vorrückung nicht berücksichtigt.

„Papamonat“

Im Kollektivvertrag und in der Betriebsvereinbarung wurde für Väter die Möglichkeit eines „Papamonats“ in Form eines Kurzsabbaticals geschaffen. Dabei ist Vätern anlässlich der Geburt ihres Kindes, mit dem sie im gemeinsamen Haushalt leben werden, ein Sabbatical von bis zu einem Monat zu gewähren.

Der Vater hat einen entsprechenden Antrag spätestens drei Monat vor dem errechneten Geburtstermin zu stellen. Die Ansparphase kann bis zu drei Monate dauern. Die Freizeitphase ist einen Monat lang und muss zwischen dem Geburtstermin und dem Ende des Beschäftigungsverbotes der Mutter liegen. Im Falle einer Verschiebung des geplanten Geburtstermines kann sie entsprechend verschoben werden.

Bis zu zwei Jahre früher eine 6. Urlaubswoche

Im Falle der sechsten Urlaubswoche wurde die Grenze für die Anrechenbarkeit für Vordienstzeiten von fünf auf sieben Jahre angehoben, wobei die gemeinsame Obergrenze von sieben Jahren für Schul- und Vordienstzeiten erhalten bleibt.

Das heißt, ArbeitnehmerInnen, die vor der Caritas mehr als fünf Jahre im Inland selbständig oder unselbständig gearbeitet haben und die keine über die Schulpflicht hinausgehenden Schulzeiten haben, kommen bis zu zwei Jahre früher in den Genuss der 6. Urlaubswoche . Das gilt für Urlaubsansprüche, die ab 1.1.2014 entstehen.

Abgeltung von Zeitguthaben am Ende des Dienstverhältnisses

Besteht zum Ende des Dienstverhältnisses ein Zeitguthaben, so werden Stunden bis zum halben Ausmaß der Übertragungsmöglichkeit (Rucksack) 1:1 ausbezahlt, darüber hinausgehende Stunden mit 50 % Zuschlag. Dieser Zuschlag von 50 % gilt in diesem Fall auch für Teilzeitkräfte! Für MitarbeiterInnen ohne Übertragungsmöglichkeit (Rucksack) sind alle Stunden mit 50 % Zuschlag auszuzahlen.

Wir erwarten, dass die getroffene Regelung auch eingehalten wird, nachdem es in Wien in den letzten Monaten viele Diskussionen und Forderungen des Betriebsrates gab, die bestehenden gesetzlichen Vorgaben zu diesem Punkt auch zu befolgen.

Pflegekarenz und Pflegeteilzeit

Wir haben in der bra 2013/4 über die Möglichkeit zur Pflegekarenz und Pflegeteilzeit berichtet. Das Gesetz sieht die Notwendigkeit der Vereinbarung vor. Das heißt, der/die ArbeitnehmerIn kann ohne Zustimmung der/des DienstgeberIn nicht in Pflegekarenz gehen, wenn der/die DienstgeberIn nicht zustimmt. Im Kollektivvertrag wurde nun festgelegt, dass ArbeitnehmerInnen einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz haben.

Die ArbeitgeberInnenseite hat es leider abgelehnt, auch einen Anspruch auf Pflegeteilzeit festzuschreiben, obwohl gerade diese Variante für viele KollegInnen attraktiv ist Hier sind die MitarbeiterInnen also weiterhin auf das Entgegenkommen der/des DienstgeberIn angewiesen.

Ergänzend zum Kollektivvertrag wurde in der Betriebsvereinbarung festgelegt, dass MitarbeiterInnen im Anschluss an eine Pflegekarenz ein unbezahlter Urlaub bis zu einer Gesamtdauer von 12 Monaten zu gewähren ist. Während eines solchen unbezahlten Urlaubes kann jedoch kein Pflegekarenzgeld bezogen werden. Diese Zeit wird auch nicht für Vorrückungen angerechnet.

Wurde eine Pflegeteilzeit vereinbart, haben MitarbeiterInnen durch die Betriebsvereinbarung ebenfalls den Anspruch, diese auf bis zu 12 Monate zu verlängern. Nach der gesetzlichen Dauer der Pflegeteilzeit fällt das Pflegekarenzgeld weg.

 

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitswelt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.